Der Stählerne

Als das große Schlachten endlich aus

die Mörderbanden zerschlagen

da trat der Stählerne hinaus

in seinen späten Tagen


Er dankte den Marschällen und den Fraun

den Arbeitern und den Soldaten. Beizeiten

bat er Georgi Schukow, zu Pferd

die Siegesparade zu leiten


Er wies den Siegern ihren Stolz

daß nicht die Trauer sie lähme

Den toten Helden Granit statt Holz

und Sibirien für schwarzbraune Häme


Ein Volk, das solchem Mord widerstand

das nicht verkam in diesen Wunden

war mit der Idee, mit der das vollbracht

für die Ewigkeit verbunden


Was immer im Kreml beraten

gegen deutsches Kriegs- und Lügengeflecht

exerziert von Marschällen, Partisanen, Soldaten:

Diese Partei war immer im Recht!


Das Volk beging in Würde den Sieg

mit Arbeit und Wodka und Plänen

mit Liedern aus russischer Seele stieg

auch sein Bild in mystische Sphären


Welch Volk hätte denn je mehr

Recht auf 'nen irdischen Jesus als dieses?

Doch war's nicht mehr der Geschichte Knecht

es bedurfte der Untertänigkeit nicht. Und bewies es.


So wuchsen die Städte wieder heran

die Kriegshelden machten sich Kinder

Beide gedieh'n. Der Georgier Bulat Okudschawa sang

das Lob auf den russischen Winter


Der Krieg war gewonnen – der Krieg ging verlor'n

Verbündete wechseln die Seiten

und die, die „Nie wieder Krieg!“ geschworn

mußten auf's neue gegen ihn streiten


Der Stählerne aber blieb, der er war:

Sein Leben war Arbeit, sein Sein Volk und Land

Histörchen von Luxus, Ausschweifung, Weibern und Suff

blieben deshalb bis heut' unbekannt


Die Krieger wider den Roten Stern

jedoch hörten nicht auf, feindlich zu rüsten

zu pressen, zu kaufen, in nah und fern

stachelten sie zu alten Eroberungslüsten


Der Stählerne aber blieb, der er war:

Die Ruhe, die Führung, Gewissen.

Solang er auf dem Posten stand, fürwahr

blieb das eherne Band des Siegs unzerrissen


Als dann im dreiundfünfziger Jahr

sein Leben sich vollendet'

das Volk hielt inne, wo es war

da das Blatt des Seins sich gewendet


Der Stählerne verlor nun sein letztes Gefecht

das Volk ging in Trauer

und die Trauer war echt

ihrer Tränen schämten sich nicht General, Arbeiter, Bauer


Und Millionen erfaßten die Last des Moments

das Riesenland stand nun stille

am trauernden Führungskollektiv war es nun

zu vollstrecken Volkes Nutzen und Wille


Nikita, der Emporkömmling

putschte sich rasch an des Genius' Stelle

wer ihm im Weg zu sein schien, wurd' liquidiert

stieß so das Land über des Niedergangs Schwelle


Die Schüler Lenins also kapitulierten

vor Chruschtschows Intrigantentum

auf dem Arbat, alsbald, agitierten

die Gulag-Astrologen Jelzins künftigen Säuferruhm


Noch einige Jahre brachten Erfolg

späte Früchte stalinscher Planung

gebucht als der Putschisten Verdienst

gaben von Gorbatschows Mafia sie Ahnung


und besudelten mit dem Dreck wider ihn

das Sterben und Kämpfen und Siegen

von Millionen; wo sein Stern noch schien

logen sie ihn in Scherben auf brechen und biegen


Könnt' je ein Triumph größer sein?

Über den Feind, als daß sein Staat selbst ihn stürzt?

Nach seinem Tod ihn entfernt aus dem Ehrenhain

der Erinn'rung und diese zu Moritaten verkürzt?


Die Dichter, die gepriesen des Volksführers Ruhm

wie Dichter aller Epochen

und Völker besangen das Heldentum

wurden nur noch verächtlich besprochen


Und gerad', was ihm zum Vorwurf ward

wurde an ihm jetzt vollzogen:

Sein Bild tabu erst, dann mit dem Hitlers gepaart

und überhaupt: Die Geschichte krumm gebogen


Ein Staat, der seinen Helden verrät

ihn anklagt, beschimpft bis ins Verbrechen

vergessen macht, verachtet, wird früh oder spät

die Verteidigungswaffen strecken


Die Enkel der Mörder buchstabieren nun

den Text der Historie und seinen Namen

und hämmern den braunen Goebbels-Senf wider sein Leben und Tun

in die Köpfe in Verblödung und Amen


Ob Troia, ob Frankreich, Karthago, ob Rom

ob Vietnam, Sioux, Mapuches, aufsteigend oder darnieder

ob Jubel und Sieg, Untergang im Sturm

die Welt kennt der Völker Heldenloblieder


Verleugnung der Helden, Abschwör'n eigner Kraft

Diktat feindlicher Mächte:

Was die Wehrmacht mit Bomben und Gas nicht geschafft

das funken sie nun in Wohnzimmer und Nächte


Mit dem Helden der Geschichte beraubt

mit der Geschichte der Siege

ohnmächtig, brav die Diktate geglaubt

das Tabu wird des Untergangs Wiege


Durch aller Totalkriegs-Endsiege Jubel jedoch

aus den Trümmern gestürzter Denkmale

aus den Gräbern Millionen Geschändeter noch

steigt auch sein untilgbarer Name


STALIN. Der unbeugsame Sohn

des Volks, der Sieger, Gerechte

Saatmann, Vollender, Ernter im roten Mohn

Erkenner und Ermöglicher, was das Volk vermöchte


STALIN. Der Souverän

Lehrmeister seiner Marschalls-Asse

Oberster Befehlshaber der Millionen-Armeen

der sich befreienden Arbeiterklasse


STALIN. Der Versöhnliche

bot Millionen Mörderlandsern den Frieden

und den Witwen und Kindern.

Und Pflugscharproduktion den arischen Waffenschmieden


Die Union liegt zerstört, der Krieg nun zurück

wo einst die Wehrmacht „stalinistisch“ geschlagen

von Rotarmisten im Sterben und Glück

mit Katjuschas und T34er Panzerwagen


Wird die russische Seele dollarisiert oder nicht?

Gehen russisches Öl und Gas in arische Hand?

Das kommt darauf an, sagt das Weltgericht

wann seine Stadt Stalingrad wieder genannt.


malcom.z

der weiße nigger aus deutsch-nordost

ein ehemaliger mensch der ehemaligen DDR

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Dieses Poem ist der Abschluß des Teils 3 des fünfbändigen „Der Stählerne“, im ScheiSS-Staat nicht erlaubt und
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