240227 Deutsche Dichtung


Es war einmal: Daß ein deutsches Volk seine Dichter und Denker hochschätzte. Dieses Hochschätzen war sicher nicht nur deutsch. Aber auch. Und: national sowieso. Und nichts Böses. Auch andere Völker lobten und schätzten ihre Verseschmiede. Ist doch das Dichten eng mit dem Denken verwandt. Nicht nur sprichwörtlich, nicht nur wörtlich ähnlich klingend. In der DDR war es bis Ende 1989 genau so. Am 4.11.1989 sprachen u.a. Christa Wolf, Heiner Müller, Stefan Heym, Christoph Hein. Und das Volk lauschte ihnen. Ab dem Anschluß wurde der Nimbus der Wolf, des Müller, des Heym, des Hermlin und anderer westmedial propagandistisch weitestgehend zertrümmert. Heins nicht, der wurde in die weitestgehende Unbedeutenheit entlassen. Gemeinsam hatten die Redner übrigens, daß sie von Westsendern zuvor bedeutend gesendet worden waren. Bedeutender als andere. Wie übrigens auch Markus Wolf bis in den Spätsommer 1989 hinein, danach dann nicht mehr. Und sie alle konnten doch nicht zaubern und wußtens letztlich auch nicht besser als die alten SED-Granden. Hermann Kant, Volker Braun, Giesela Steineckert, Helga Königsdorf usw. waren als Redner nicht gefragt. Weil sie dumm waren? Weil sie weniger wußten? Schlechter geschrieben hatten als die Großredner? Wohl kaum. Sie waren den West-Propagandisten nicht brauchbar. Oder wurden gar als feindlich erachtet. Wie sie seit 1990 dann alle DDR-Bürger als lebensunwertes Leben verwurschteten. Bis auf die Kollaborateure und anderen besonders Brauchbaren.

Bei den Amis war die Würdigung der Dichter und Denker übrigens weniger der Fall als früher in deutschen Landen, weniger als hier beschrieben. Schon wegen des Mangels an positiver nationaler Geschichte. Und weil das Nationale nicht mittels feudaler Kleinstaaterei so lange erniedrigt und unterdrückt wurde und so lange auch mittels Lieder und Gedichte eingefordert werden mußte und es für amerikanischen Ureinwohner und Negersklaven nie größeren Anlaß für Oden und Hymnen auf den Ami-Terror-Staat gab. Und die Weißen waren so sehr mit Morden und Versklaven befaßt, daß zum Dichten kaum Zeit gewesen war. Weniger als anderswo jedenfalls. Auch fand die wichtige, bekannte deutsche Dichtung lange vor oder weit abseits des Commerziellen statt. Während der Ami-Pragmatismus schon lange das Gesellschaftliche dominiert und weit überwiegend Commerzielles hervorbrachte und bringt.

Die Sklavenhalter und deren Rechts- und Polit-Nachfolger hatten bekanntlich wenig Interesse an Feingeistigkeit. Ihre Lyrik waren John Wayne und dessen Colts. Zwar ist Heinrich Heines lyrische Wahrheit, böse Menschen hätten keine Lieder, längst und am schlagendsten mit dem Liedrepertoire der Hitleristen und des Brd-Kult-Heino, der böhsen Onkelz – die sich sogar so nannten, wie sie sein wollten – und etlicher anderer widerlegt, aber für lyrische Feingeistigkeit ist die Ami-Kultur-Industrie nun wirklich nicht berühmt geworden. Und schon gar nicht bis heute zuständig.

Nicht zuletzt deswegen traten die Brd-Besatzer mit Adolf Hitlers Endsieg über die Deutsche Demokratische Republik unter dem Befehlshaber Kohl, dem ewigen Pimpf seines „Führers“, eine langjährige Verblödungs-Kampagne los von wegen des „Zwischen den Zeilen“-Schreibens und Lesens der sogenannten Ostdeutschen. Womit nichts anderes gemeint - und es negativ benannt war - als die Metapher. Und mit ihr die ganze deutsche Poetik: Die Besatzer und ihre Medien- und sonstigen Polit-Lügner erklärten die Metapher im Schlager, im belletristischen Text, in der DDR-Rockmusik, im Kabarett usw. zu einer Art Verbrechen, zu einer Verirrung, zum Gegenteil dessen, was es sein sollte und tatsächlich auch war, indem sie es „zwischen den Zeilen“-Lesen und Schreiben nannten. Wie sie ihre Konsum-Propaganda nie ‚Propaganda‘ nennen, da Propaganda angeblich etwas Negatives sei. Die Produkt- und Services- und Staats-Propaganda heißt entweder gar nicht oder ‚Werbung‘. Wie demokratisches Sprechen als etwas Negatives denunziert wird, indem es seit ca. Mitte der 2010er Jahren ‚Populismus‘ geheißen wird, also Meinungen und Sprüche, die den gerade Regierenden nicht gefallen als Populismus abgestempelt werden. Und wenn es hundertmal gestern und vorgestern und jahrzehntelang als Richtiges galt. Solche Propaganda-Wörter wie ‚Populismus‘ kommen als Begriffe daher. Sind es aber nicht. Indem sie entweder nicht definiert sind oder die gelegentlich doch ausgegebenen Pseudo-Definitionen nicht allgemein angewendet werden dürfen. Ein Hauptgrund für die Anti-DDR-Kampagne wider die lyrische Metapher war und ist der Monopol-Anspruch der West-Politniks. Die Verlogenheit der Westpolitniks und die Effektivität ihrer Propaganda basieren u.a. auf der Verwendung der Metapher. Die i.r.R. hinterhältig und irreführend ist; die verwendeten und auf die Deutsch-Volker eingedroschenen Metaphern sind zumeist falsch.

Die Abschaffung der literarischen, deutschsprachig-nationalen Lyrik seit 1990 senkt die Kompetenz des Publikums in dieser Sache. Dient dem Blödsprech-Monopol der Polit-Staats-Zirkus-Clowns, steigert die Effizienz des Lügenapparats. In der DDR haben Dichter, z.b. Rainer Kirsch in „Das Wort und seine Strahlung“, und Wissenschaftler, wie z.B. Heinz Plavius in „Kriterien und Kritik“ sich mit der Funktion und dem Funktionieren der Metapher auseinandergesetzt und ihr Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Und DDR-Verlage haben dieses Wissen zwischen Buchdeckel gepreßt. Ein kultivierter Poetik-Kenner fällt mit guter und besserer Wahrscheinlichkeit nicht auf falsche Polit-Metaphern herein. Nicht zuletzt deshalb waren solche wie der „ostdeutsche“ Kabarettist Peter Ensikat etliche Jahre lang Lieblinge der Anti-DDR-Propaganda-Industrie der Okkupanten, weil sie - wie der Peter - den Besatzern auf Anweisung die „Zwischen-den-Zeilen“-Schelte ablieferte. Und selbstverständlich dafür kassierten: Geld, Bekanntheit und andere Privilegien.

Das Verseschmieden war viele Jahrhunderte lang eine Haupttechnik der Wissensspeicherung und -weitergabe. Vor der Alphabetisierung der Volker und Volkerienen, aber auch lange noch währenddessen und danach. Und auch eine Methode der Kulturentwicklung und des nationalen Behauptens. Stichwort: Odyssee. Stichwort: Lied der Nibelungen, Stichwort: Wintermärchen, Stichwort: An die Nachgeborenen. Auferstanden aus Ruinen! Bis tief ins 20. Jahrhundert waren Gedichte auch in der Tagespresse präsent. Die Gründe, die den Reim in früheren Zeiten brauchbar machten für das Nationale, für das kabarettistische, begründeten dann auch die commerzielle Verwendung. Schon im 19., aber dann immer mehr im 20. Jahrhundert. Gereimtes macht Reklamesprüche griffiger, populärer, besser merkbar und nachplapperbar. Die commerzielle Verwendung von Metrik und Reim verlangt nach Ausschließlichkeit, nach Unterdrückung des nicht-commerziellen Reimens.

Wie die Besatzer ab 1990 flächendeckend über 95 % der DDR-FKK-Strände verboten und dichtmachten, Was aber kaum ‚Verbot‘ genannt wurde. Und was freilich nie als diktatorisch erzählt werden durfte. Denn kein DDR-Volk durfte abstimmen. Gleichzeitig mit diesem Verbot wurden flächendeckend Puff und Porno eingeführt auf unserem DDR-Territorium. Und nirgends durfte das eine mit dem anderen gleichzeitig diskutiert werden, nie die Frage nach dem Widerspruch, nach dem Zusammenhang erzählt werden. Was einfachst ist: Wenn man Porno bestmöglich verkaufen will, darf natürliche Nacktheit nicht überall kostenfrei frei zu haben sein. Denn die Nacktheit, einem angeborenen Bedürfnis entsprechend, in der sogenannten Marktwirtschaft aber commerziell verpackt und hinter die diversen Bezahlschranken verbannt und in die Vertriebskanäle gestopft, ist ja ein Lock- und Kern-Inhalt der Pornographie. Und deshalb sind die Brd-Pop-Lieder kaum poetisch. Und ist die deutschsprachige Lyrik abgeschafft, insbesondere die patriotische. Noch insbesonderer die der DDR.

Im Unterschied zu heutigen Commerzmedien, die in der Bumsreplik zur Wahl angeboten werden, umfaßt die deutsche nationale Lyrik, soweit wir sie kennen bis hin zu ihren Ursprüngen, das ganze Leben. Alles, was die Menschen bewegte, was ihr Leben ausmachte, durfte und mußte lyrisch erzählt, weitergegeben, tradiert werden. Zu besonderen Anlässen wie auch im und für’s täglichen Leben. Deklamiert und auch gesungen. Und fast nie geschah das entgegen dem mehrheitlich Gedachten und Empfundenen. Wenn auch bestimmte Inhalte stark verschlüsselt werden mußten, also metaphorisch formuliert. Auf Grund der von Luther erfundenen Evango-Ideologie seit dem 16. Jahrhundert. Im Katholo-Frankreich ging es, z.B. sexuelle Themen betreffend, wesentlich freizügiger zu.

Das Lied wie auch gesprochene Verse waren lange Buch und Zeitung für die, die nicht lesen konnten, für die, die kein Geld hatten, lesen zu lernen, das eine wie das andere zu kaufen.

Eine wichtigste Zäsur in dieser Hinsicht war der 9. November 1989. Wo nicht nur das Waldsterben plötzlich und unerwartet aufhörte, das angefangen hatte und sehr ähnlich eingeredet worden war wie die sogenannte Pandemie – was hätte ein sogenannter Mauerfall mit einer Umweltkrise zu tun? - und die christlichen Friedenskreise sich nicht einmal in Weihrauch auflösten. Als habe es sie nie gegeben. Und schon wurden die deutschen Waffen auch auf DDR-Territorium wieder gesegnet, nicht nur auf dem der Brd. Worüber aber keine welthistorischen 5 Minuten geredet wurde. Wir waren seither nicht mehr die „Brüder und Schwestern“ (aus dem Osten), sondern Altlasten, Soziale-Hängematten-Fläzer, Faulenzer, staatsnahe „Stasis“, undankbar-störrische Schlechtriecher, unser Arbeiten hieß nun verdeckte Arbeitslosigkeit. Und undankbar obendrein. Es war auch der Hinrichtungstermin der deutschen nationalen Lyrik, der Mord am deutschsprachigen Lied im Ton der deutschen Volksdichtung und des Volksgesangs.

Die meisten feiern diesen Tag als „Fall der Mauer“. Wissende – die gefühlt noch nie eine dermaßen kleine Minderheit waren wie heute - sagen: Die angebliche Mauer stand wie’ne eins und war auch gar keine Mauer, sondern eine Betonwand. Und die Deutschen sind verblödet wie kaum ein anderes Volk. Weil sie aller höchst wahrscheinlich die falscheste Polit- und sonstige Staats-Propaganda-Sprache der Welt mit den vielen falschen Metaphern über sich ergehen lassen und diese auch noch perfekt nachplappern. Können. Wollen. Und weil sie wie kaum ein anderes Volk ihre nationale Dichtung verleugnen, vergessen haben wollen. Und in den Volkshochschulen Linientanzen lernen wollen und Bluesmundharmonika spielen, aber nicht deutsche Volkstänze und -Lieder.

Daß dieses angebliche Gefallensein der angeblichen Mauer kriegerische Metaphorik ist, kann kaum gedacht werden. Also daß damit „zwischen den Zeilen“ agitiert wird. In früheren Jahrzehnten fiel die Fahne und fielen belagerte und angegriffene Städte. Und die Soldaten fielen sowieso, wenn sie totgingen. Wie seit Ende 1989 und bis heute angeblich die Mauer gefallen ist. Nur daß die Die-Mauer-ist-gefallen-Propagandisten gleichzeitig so tun, als sei es kein Krieg gewesen und als seien die Die-Mauer-ist-gefallen-Lügner nicht die Sieger dieses Kriegs. Den ein gewisser Churchill 1946 in Fulton/USA erklärt und ausgerufen hat. Gleichzeitig mit der Zumeist-Leugnung des Endsiegs oder des wenigstens Nicht-Sprechens darüber benehmen sich die angeblichen Wiedervereiniger als Sieger, indem sie den Besiegten seit 1990 keinerlei Mitsprache gewähren und das Land und dessen Reichtümer plünderten und raubten. Sich unter den Nagel rissen und vieles verhökerten. Die erste Bedingung für die Zulassung als Quoten-Ostler ist, daß der Quoten-Ostler die Ideologie der Besatzer fließend beten kann und dies auch tut.

Wenn die Besiegten gesiegt haben, dann über sich selbst. Viele plappern die Lüge ihrer angeblichen „friedlichen Revolution“ heute noch nach, die doch nur die Ausführung der Amipläne gegen die Sowjetunion und der Brd-Nazi-Pläne gegen unser Volkseigentum und kommunistische Unbotmäßigkeiten war. Gegen die Weigerung, hitlersche Führerbefehle zu befolgen. Ab Ende 1989 hat sich tatsächlich erfüllt, was die SED-Propagandisten jahrzehntelang als schwarze Tragödie an die Wand gemalt hatten. Das durfte nie öffentlich diskutiert werden.

Grundlegendste Techniken des menschlichen Denkens wurden seit dem 9.11.1989 vergessen gemacht: daß man das Sprechen, die Vorschläge, die Politiken mißt an den Ergebnissen. Daß man in der Lage ist, das Gute wie das Schlechte des Gegenwärtigen zurückzuführen auf die Ideen oder Ideenlosigkeiten der Verursacher. Dazu bräuchte es Denken abseits der tagtäglichen medialen Programmierung der Deutsch-Untertanen. Das Denken kausaler Zusammenhänge anstatt moralischer Idiotien. Dazu bräuchte es Gedächtnis auch für das, was staatlich tagtäglich vergessen gemacht wird.Dazu bräuchte es die Fähigkeit, das Einfache einfach und das Komplexe komplex denken zu können. Das Konkrete im Allgemeinen und das Allgemeine im Realen zu sehen und beschreiben zu können. Und genau deshalb ist die deutsche nationale Lyrik aus den öffentlichen kulturellen und künstlerischen Diskursen verbannt. Und für den Fall, daß jemand das für einen Widerspruch zu dieser Behauptung hält: Poetry und Slam heißen nicht nur anders, sondern sind auch etwas anderes. Ziemlich Gegensätzliches. Zu dem, was hier gemeint ist.

Adolf Hitlers ewiger Pimpf, der Fettsack aus Oggersheim Kohl hat mit dem hitlerschen Endsieg über die DDR und über die Volker und Volkerienen östlich der Elbe wiederholt und befohlen: Den deutschen Faschismus einen nationalen Sozialismus zu nennen und mit Russen nicht befreundet sein zu dürfen. Auch mit den polnischen und tschechischen Nachbarn nicht zu sollen. Wir sollten ab 1990 zunächst nur noch mit Amis und anderen Englischmuttersprachlern befreundet sein. Nur solche seien auch uns Helden wie die Clintons und Obamas, wie Dylan und Springsteen und und Opfer nur Manning, Snowden und Assange. Wir DDR-Bürger sollten nun keine Helden mehr kennen als die westlerichen.

Und nicht zuletzt: Weil deutsche Lyrik gesellschaftlich keine Rolle mehr spielt. Weder aktuelle Texte, noch die der Jahrhunderte, die die deutsche Nation ausmachte, die sie werden und reifen ließ.

Der angebliche Fall der angeblichen Mauer war für vieles Ende, auch das Ende der Lyrik. Als Genre des Volks. Denn sie mußte das Ende der deutschen Gesellschaft sein, die die deutsch nationale Lyrik pflegte und bewahrte. Als ein demokratisches Genre der Selbstverständigung, als Streben der Massen, die Gipfel der Hochsprache und Hochkultur zu erreichen oder es wenigstens zu wollen und zu versuchen. Und um diese Verleugnung möglichst allgemein zu machen, als Suche nach Wahrheit, nach dem Gemeinsamen der Deutschen. Das, was im Westen des damaligen deutschen Siedlungsgebiets bis 1990 lyrisch noch eventuell funktionierte, wurde gleich mit beendet und weitestgehend entsorgt. Nicht alles sofort, aber doch mittlerweile fast vollständig. Außer im Genre Pop-Lied und eben in der Commerz-Polit-Reklame, in den Evango-Kirchenbänken-Liedern der Reklame-Industrie aller Verkaufskanäle und in den Politdichtungen der Herrschenden und Regierenden, wobei diese beiden Genres kaum zu trennen sind. Bedeutend, daß seine so lange westliche Existenz ebenfalls der DDR und ihrer Kultur zu verdanken war. Wie die hohen Löhne der Werktätigen und auch das weit überdurchschittliche Einkommen der Ärzte – nämlich als Lockmittel für DDR-Ärzte, die DDR zu verlassen und ihre sozialistisch staatlich finanzierte Ausbildung zu besten Medizinern des DDR-Volks privat auf dem De-Markt zu vergolden. Zugunsten der Feinde und Schädiger und Zerstörer der DDR. Nicht zu vergessen die vermeintliche Friedfertigkeit der Bumsreplik, die verbale Friedensorientierung aller Bumstachsparteien, die damals schon so verlogen war, wie sie sich heute längst erwiesen hat, und die viele Kreide, die ihre Politniks damals gefressen hatten in den 1970ern und 1980ern. Typisch: Sie schwatzten, wir seien ihre Brüder und Schwestern, und klauten uns unsere Ärzte und ließen unsere Grenzer erschießen.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Funktionäre einer Amikolonie müssen die nationale Selbstverständigung der kolonisierten Nation bei Strafe der Züchtigung durch ihre nord- und mordamerikanisch-weiß-elitär-imperialen Herren unterdrücken. Wie es vor 200….300 Jahren die Duodezfürsten tun mußten und taten. Ab dem 9. November, ab dem angeblichen Fall der angeblichen Mauer, standen Bildungsabbau, Geschichtslüge, die Umprogrammierung von Millionen Deutschen weg von Friedens-Willen und Bildung und weg vom wissenschaftlichen, technischen, kulturellen Fortschritt und weg von Solidarität und sonstiger Vernunft hin zu Konsumismus, Massentouri-Verblödung inklusive Inländerhaß als Voraussetzung für den Ausländerhaß. Eine Invariante deutscher, aber nicht nur deutscher Politik: erst der Inländerhaß, dann der Ausländerhaß: 1914, 1933, kurzzeitig 1953, langfristig ab 1990. Aber das dürfen-sollen die Deutschen schon gar nicht denken können. Weshalb kein deutscher Dichter wie dereinst Brecht, Tucholsky, Kästner, Weinert, Becher es taten, derzeit in einigen Zeilen das politische Problem auf den Punkt, auf die Pointe bringt. Um damit demokratisch gehört und verstanden zu werden. Jedenfalls nicht in einer Größöffentlichkeit. Le Point – der Punkt.

Nicht zu vergessen: Die Formung der Nationalsprache wie auch das Lehren derselben. Der Reim, das Reimschema wie auch die Metrik zwingen den Dichter zu einem größeren aktiven Wortschatz. Und lehren ihn diesen. Dichter, Lyriker haben durchschnittlich einen 3 bis 4 fach größeren aktiven Wörtervorrat als die Normal-Sprecher. Sagten früher Germanisten und Literaturwissenschaftler. Der DDR. Die Kürze der Botschaft, die Beschränkung der Wortzahl, mit der die Botschaft übermittelt werden soll, die formale Strenge erzwingen und generieren größere Wort-Auswahl-Möglichkeiten, ein größeres Vokabular. Auch einen freieren, einen wortschöpferische Umgang mit der Sprache. Ergo: Lyriklesen lehrt die Muttersprache anders, intensiver und detaillierter, als Normalgeschnatter und Trivial-TV dies könnten. Lehrt höhere Abstraktion. Lehrt mithin Denken in anderer, höherer Qualität. Deshalb ist es auch so schwer bis unmöglich, Lyrik in einer zu erlernenden, in einer erlernten Fremdsprache zu verstehen.

Lyrische Metaphorik lehrt Erweiterung der Assoziation, also eine Erweiterung des Denkens. Und ruft diese beim Leser-Hörer ab. Erzwingt solche. Ein Ausschreiten des Denkbaren. Im Sinne Immanuel Kants Ästhetik: Eine ästhetische Idee sei kein Gedanke, sondern etwas, das zu denken gibt. Der Dichter mag einen Gedanken gehabt haben, der ihn die Wörter aufschreiben machte, aber diese Wörter sind nicht - nicht nur - dazu da, daß der Leser wisse und denke, was der Dichter dachte und sagen wollte, sondern, daß er sich - zumindest auch - seine eigenen Gedanken mache. Ganz gegensätzlich zur heutigen Ausgabe der Denkdiktate im Sinne der Herrschenden und Regierenden. Da die Empfänger der Politbotschaften genau das denken sollen, was an sie ausgegeben wird. Nichts anderes. In der materialistischen, in der marxistischen Ästhetik war dieser kantsche Gedanke aufgehoben, dialektisch, versteht sich, wie wir Wissenden früher sagten, und es auch heute noch gegen den braunen Zeitgeist der Herrschenden, Regierenden und Sendenden tun: Der Rezipient als Mitproduzent des Kunstwerks, als Vollender dessen, was der Künstler der Welt mitteilt. Ganz und grundlegend demokratisch. Denn das demokratische Endergebnis ist nicht die Ansage eines oder einer, sondern die Summe aller Interessen, Sichten, Meinungen, Verse. Derjenigen, die zur Literatur-Gemeinschaft gehören.

Und noch eine Eigenschaft des Literarischen: Literarisches kann von den Lesern und Hörern des Sprachraums diskutiert werden. Spontan. Und umso mehr auch organisiert und strukturiert, wenn es schon spontan möglich ist. Wo fänd man heute Diskussionen wie wir sie in der DDR um die Lyrik Volker Brauns, aber auch um die Lieder Anderts, Demmlers, Schönes in der DDR hatten, auch um einige meiner Äußerungen, allerdings in sehr geringerem Umfang, um die neuerschienenen Langspielplatten-Botschaften der Renftler, um Sterns größte Reise und um Sterns weißes Gold, um Sillys „Mont Klamott“. Und so vieler anderer. Nicht zufällig, daß so vieles Deutsch- und DDR-Geschichtliches und Politisches in den Liedern war. Um die heutigen Pop-Erscheinungen lohnt keinerlei Diskussion. Vor allem anderen deshalb finden keine statt. Sie sind zum Konsum und zur Abrichtung ohne jegliche Diskussion gedacht. Das wissen alle, die Sendegewaltige und auf Sendung sind.

Wer würde heute über die Inhalte der neuesten Schlager von Brink, Kaiser, Campino diskutieren? Sie werden rausgeknallt und heruntergewürgt – fertig. Lindenbergs Denunziationsschlager über die Frage, wohin der Zug der Zeit führe, dessen Inhalt nicht diskutiert wird, sondern affimiert, also commerz-politisch bejubelt, ist alles andere als aktuell und stammt aus den 80ern und dient heute der Legitimierung der Staatslügen der Vorgänger der heutigen Staats-Lügner. Ein Gegenteil von Diskurs. Die Macht der Propaganda: Selbst diejenigen, die die heutigen Lügen ablehnen und zurückweisen, glauben die von gestern und vorgestern, bejahen und kolportieren und propagieren die vorgestrigen und kapieren nicht, wie sie die Lügner von heute stützen.

Und indem die deutsche Lyrik ab 1990 negiert, unbekannt gemacht, abgeschafft wurde, jedenfalls als, wenn auch kleines, wenn auch Sub-, aber doch wesentliches Genre deutscher Kulturpraxis, und Lein-Dänz-Kantrie als eingedeutschtes Ami-Genre als quasi deutsches eingeführt wurden wie auch Hipphopp mit der unregelmäßigen Metrik und dem Reimschema AAAAAAAA, BBBBBBB, CCCCCC und von wegen Doppelreime usw., als das ab Anfang der 90er neue Schlager-Genre, später dann Comedy als Negierung deutscher Kabarett-Tradition wie auch als eine Negierung von Vernunft und Moral wie auch des tradierten Anstands, der tradierten Sitten, und zwar in einer Geschwindigkeit, wie zuvor kaum beobachtet. Bestenfalls paßte diese Dynamik ab 1990 zu den Erzählungen der ersten Monate des Staatsfaschismus im Jahr 1933, wie wir sie bei Klemperer nachlesen können, und zu den Erzählungen der letzten Tage im sogenannten Führerbunker. Passend auch zu den sonstigen Umständen des Anschlusses der DDR, lügenverblödend ‚Wiedervereinigung‘ genannt. Eine Verblödungs-Metapher, mit der die Hitleristen schon den Anschluß Österrreichs 1938 nett logen. Wer wollte das seit 1990 wissen? Wo dürfte es heute gesagt werden? Wo würden solche historischen Fakten akzeptiert? Wie alt die Lüge von „Wiedervereinigung“ 1990 schon war und welchen Ursprungs? Wie auch niemand wissen soll, daß der 1989er Demonstranten-Ruf der DDR-ler „Wir sind das Volk“ aus dem Film „Taxi Driver“ mit Robert de Niro stammt, ein Hollywood-Schinken aus den 1970ern, den kaum ein DDR-Bürger gesehen haben konnte, während viele Westler diese Hollywood-Polit-Botschaft kannten. Und die Abwandlung zu: „Wir sind ein Volk“ aus der Brd-Cdu-Partei-Zentrale und anderen nächstgelegenen Denk-Tank-Bunkern auf die DDR-Straßen gesendet wurde. Wie es vor der Ausstrahlung des Ami-Films „Holocaust“ Ende der 1970er in der Brd, diese sprachliche Abstraktion eines millionenfachen Massenmords in der deutschen Sprache gar nicht gab. Diese also auch nicht gebraucht wurde. Also dürfen dergleichen simple Fakten in keinem Massenmedien ausgesprochen werden. Daß niemand es wisse, und die wenigen, die es noch wissen, nicht aussprechen. Nicht wollen, nicht können. Also dürfen DDR-Bürger weder in Massenmedien reden noch auf Protest-Kundgebungen. Nicht auf DDR-Territorium, schon gar nicht auf Brd-Territorium. Nur Westler reden und zwar total wiedervereinigt. Wie der Kommunist 1933 mit dem SA Mann in Dachau und Oranienburg wiedervereinigt war und später der Hitler-Jude mit dem SS-Mann in Theresienstadt und Auschwitz. Und an so vielen anderen Orten.

Also wurde ab 1990 wie zuvor schon einmal ab 1933 auch die materialistische Ästhetik abgeschafft, daß es keine wissenschaftliche, keine populärwissenschaftliche, keine öffentliche Erklärung dessen gebe, was kulturell, was propagandistisch vorging und -geht. Jedenfalls keine angemessene. Keine vernünftige. Keine jahrzehntelang tradierte. Indem die deutsche Poetik abgeschafft wurde. Das Schön-Metaphorische, selbstverständlich, inklusive.

Umso wichtiger, sie zu pflegen, zu loben, zu sprechen, zu empfehlen, zu lernen, sich des Schönen zu freuen, das wir haben.

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